Spende für "Die Anpacker"


Das Klinikum Ingolstadt unterstützt die Freiwilligenagentur
und Obdachlose in Russland


Es ist nach fünf Jahren bereits zu einer festen Einrichtung im Klinikum Ingolstadt geworden: das „Septische Symposium“. Vor allem aber ist der medizinische Fachkongress im Ingolstädter Schwerpunktkrankenhaus auch ein Grund zur Freude für viele Bedürftige geworden. Denn bei der gut besuchten Fachtagung bleibt von den Teilnahmegebühren jeweils ein beachtlicher Betrag übrig, der wohltätigen Zwecken zugute kommt. In diesem Jahr überreichte Michael Wenzl, der Direktor der Chirurgischen Klinik II im Klinikum, gemeinsam mit Geschäftsführer Heribert Fastenmeier je einen Scheck über 1000 Euro an Sylvia Tyroller, Geschäftsstellenleiterin der Ingolstädter Freiwilligenagentur, sowie Martin Ott, der Obdachlosen in St. Petersburg und Kiew hilft.


Jedes Jahr im Januar treffen sich im Klinikum die Experten eines kleinen, aber besonders komplexen Teilbereichs der Medizin: der septischen Chirurgie. Beim „Symposium Septische Unfallchirurgie und Orthopädie“ beraten Spezialisten aus ganz Deutschland und darüber hinaus über neueste Entwicklung auf dem Gebiet der septischen Chirurgie – und leisten dabei gleichzeitig auch einen Beitrag für wohltätige Zwecke. Denn durch die Unterstützung von Sponsoren können die Teilnahmegebühren größtenteils gespendet werden. So ist nicht nur das septische Symposium inzwischen zu einer festen Einrichtung im Klinikum geworden, sondern auch die Unterstützung sozialer Zwecke.

„Und das soll auch in Zukunft so bleiben“, wünscht sich Wenzl. Denn das Engagement für soziale Zwecke stehe einem Krankenhaus gut zu Gesicht und passe bestens zum Symposium. Denn auch in der septischen Chirurgie habe man oft mit langen Leidenswegen und schweren Schicksalen zu tun, so Wenzl – ganz so wie auch die beiden Projekte, die man nun mit den Spenden unterstützt.

Seit vielen Jahren engagiert sich Martin Ott, der „Papst-Pilot“, wie er in den Medien oft genannt wird, weil er als Lufthansa-Pilot Papst Benedikt bei dessen Deutschlandbesuchen geflogen hatte, bereits für die Ärmsten der Armen in Sankt Petersburg. Inzwischen nicht mehr nur dort. Durch den Kontakt zu einer Schwester von Mutter Teresa kam er auf die Idee, auch in Kiew zu helfen, wo die Not ebenfalls groß ist – nicht zuletzt aufgrund des Krieges in der Ostukraine.

Ott ist so auch ein Brückenbauer, jenseits der Konfliktparteien. Denn Not kennt keine Grenzen. Dennoch taucht die Frage immer wieder auf, warum er sich als Deutscher ausgerechnet in Russland engagiere, wo das Verhältnis zu Europa und Deutschland doch inzwischen schwierig geworden ist. Auch in Kiew hat man eben diese Frage schon gestellt. Otts Antwort setzt nicht bei politischen Argumenten an, stattdessen bei christlicher Nächstenliebe. Man müsse wieder bei den einzelnen Menschen anfangen und Werte vermitteln – davon ist Ott fest überzeugt. Bedürftigen zu helfen, sei fester Bestandteil des Mensch- und des Christseins, sagt er. Mit dieser Überzeugung ist er trotz aller politischen Ressentiments immer wieder auf offene Ohren und Verständnis für seine Sache gestoßen.

Obdachlose und arme Menschen aber gibt es auch in der Region Ingolstadt. Und auch hier helfen Wenzl, Oberarzt Matthias Bühler und deren Team. Während im vergangenen Jahr der Franziskanerbruder Martin von der Ingolstädter Obdachlosenambulanz sich über finanzielle Unterstützung aus dem Klinikum freuen durfte, gehen in diesem Jahr 1000 Euro an die Freiwilligenagentur Ingolstadt, und zwar für ein ganz besonderes Projekt.

Die „Anpacker“ nennt sich die Aktion der Freiwilligenagentur, bei der handwerklich begabte und engagierte Menschen in ihrer Freizeit ehrenamtlich anderen Menschen in Ingolstadt mit ihren Fähigkeiten unter die Arme greifen, die die Hilfe nötig haben. So wie eine alleinerziehende Mutter beispielsweise, die umziehen musste und keine Möglichkeit hatte, ihre Küche in der neuen Wohnung selbst wieder aufzubauen. Nach vielen Wochen ohne Küche kamen schließlich die „Anpacker“ und sorgten dafür, dass die Frau inzwischen wieder vernünftig kochen und abspülen kann.

„Man glaubt gar nicht, wie viele Menschen es auch bei uns gibt, die auf solche Hilfe angewiesen sind, kein Geld haben und auch niemanden, der ihnen helfen könnte“, sagt Sylvia Tyroller, Geschäftsführerin der Freiwilligenagentur. Sie sei besonders stolz darauf, dass man für die „Anpacker“ viele Männer gefunden habe, die ihre Freizeit opfern um bedürftigen Menschen in Ingolstadt eine Freude machen. Denn sonst seien die meisten Freiwilligen eher Frauen. Während man immer wieder hört, dass die Gesellschaft kälter werde und es immer schwieriger werde, Menschen zu finden, die sich ehrenamtlich engagierten, macht Tyroller eine andere Erfahrung: „Bei uns melden sich viele Menschen, die sich gerne engagieren und anderen helfen wollen, aber nicht so recht wissen, an wen sie sich wenden sollen“, sagt sie.

Die willkommene Spende aus dem Klinikum werde nun für Materialien und Fahrtkosten bei den „Anpackern“ verwendet, denn die sollen nicht auch noch draufzahlen, wenn sie anderen in ihrer Freizeit helfen.

Quelle: ingolstadt-today.de, 14.04.2015

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